05/03/2019
Der Eichenprozessionsspinner
Ein Eichenprozessionsspinner ist ein unauffälliger, bräunlicher Schmetterling, der ab Ende Juli bis Anfang September hauptsächlich im Kronenbereich der Wirtsbäume – Eichenarten und nach neueren Meldungen auch Hainbuche – zur Paarung und Eiablage herumfliegt.
Sie werden ihn noch nie gesehen haben – ich auch nicht.
Der Eichenprozessionsspinner ist übrigens eine einheimische Art mit Hauptverbreitungsgebiet Mittel- und Westeuropa. Früher war er praktisch nicht bekannt – aber durch die Klimaerwärmung der letzten Jahrzehnte hat er seine Verbreitungsareale ausgedehnt und die Population stark erweitert.
Für diejenigen, die sich für Biologie noch nie so ganz interessiert haben: Die Entwicklung eines Schmetterlings findet über die Stadien „Ei – Larven oder hier Raupen – Puppenstadium – geschlechtsreifes Insekt“ statt. Der einzige Zeitraum, in dem das Insekt seine Größe und Konstitution durch Fressen beeinflussen kann, ist das Raupenstadium. An dieser Stelle tritt das Tier dann auch als „Schädling“ auf. Die Eichenprozessionsspinnerraupe frisst nun eben Eichenblätter und wächst.
Da sich der Raupenkörper nicht beliebig dehnen lässt, häutet sich die Larve fünfmal, bevor sie sich verpuppen kann und in diesem Stadium zum Falter „umgebaut“ wird.
Und hier wird es nun für die Menschen in der Umgebung befallener Eichen interessant (die Forstwirtschaft lassen wir jetzt außer Acht).
Ab dem dritten Larvenstadium bilden die Raupen sogenannte Brennhaare aus. Diese sind winzig klein, brechen leicht ab und enthalten ein nicht zu unterschätzendes Nesselgift.
Die Raupen halten sich jetzt auch tagsüber in Nestern auf, die aus Gespinstfäden, Larvenhäuten, Raupenhaaren und Kot bestehen. Diese Nester können bis zu einem Meter lang werden und durchaus auch in tieferen Regionen des Baumes angelegt sein. Nachts gehen sie in „Prozessionen“ (Name!) auf Nahrungssuche.
Sobald die Brennhaare ausgebildet sind, sollten die Nester samt Raupen nur noch abgesaugt werden, und zwar mit einem Industriesauger mit Hoch-Effizienz-Filter. Auch die Umgebung und andere Areale sollten so behandelt werden. Zweck ist natürlich, die Brennhaare zu entfernen, diese können nämlich lange Zeit „funktionsfähig“ überdauern. Das Ganze kann sich sehr aufwendig gestalten. Häufig braucht man eine Hebebühne, und ein zweiter Mann ist gerade für die Dekontamination des anderen wichtig. Voll-Schutzausrüstung ist unerlässlich.
Um noch einmal auf die Brennhaare zurückzukommen: Ich habe mir bei den Arbeiten gegen die Raupen auf der Hebebühne den linken Arm des Schutzanzugs an einem Ast aufgeschlitzt. Die Folge war ein Ausschlag wie bei Windpocken – mit einem sagenhaften, zwei Wochen andauernden Juckreiz. Und das war nur die Haut. Ich möchte nicht am eigenen Leib erfahren, wie das ist, wenn man die Brennhaare einatmet.
Anscheinend werden einmal befallene Eichen auch in den Folgejahren immer wieder zur Eiablage genutzt. Dies ist auch der Grund, warum ich diesen Artikel schreibe.
Die Reaktion vieler Grundstücksbesitzer beziehungsweise von Hausverwaltungen, nachdem ich Ihnen das mitgeteilt hatte, war: „Dann wird der Baum umgehauen.“
Sicherlich ist das die einfachste Lösung. Aber man sollte auch bedenken, dass so ein Baum Lebensraum für eine Vielzahl von Tieren bietet. Diese Lebensräume – zum Teil von „Spezialisten“ besiedelt – würden für die nächsten Jahrzehnte verschwunden sein, falls man überhaupt Eichen nachpflanzen möchte.
Es gibt seit letztem Jahr ein zugelassenes Mittel auf Neem-Basis zur Bekämpfung der Raupen bis zum dritten Larvenstadium. Neem (oder Niem) ist einigen Hobbygärtnern vielleicht ein Begriff. Neem ist ein indischer Baum. Die daraus gewonnenen Wirkstoffe werden gegen beißende Insekten eingesetzt. So sind wenigstens andere Insekten nicht betroffenen. Ich habe Neem bei mir im Garten schon öfter eingesetzt und kann nichts Negatives berichten. Und es ist ungiftig.
Wenn also Raupen im Baum beobachtet werden, kann man mit diesem Mittel eingreifen, bevor die Brennhaare ausgebildet werden. Auch nicht günstig, da sich die anfängliche Population meist „oben“ aufhält (Hebebühne) und sorgfältiges Beobachten gefordert ist.
Aber meines Erachtens besser als „umhauen“!
Bei Fragen: 0171 / 47 39 538